Interview mit Martina Velmeden. Expertin für Innenarchitektur und Einrichtungsplanung

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Martina Velmeden

Frau Velmeden, das Thema Beleuchtung nimmt auch im Studium der Innenarchitektur einen großen Raum ein. Wie kommt das?


Ohne Licht wäre kein Leben möglich.

Licht benötigt der Mensch sowohl zum Sehen als auch für seine biologischen Funktionen. Denn Licht steuert u. a. den Biorhythmus.

Nicht zuletzt hätten wir ohne Licht keine Nahrung.


Licht hat neben der biologischen und visuellen, aber auch eine emotionale Funktion.


Wir unterscheiden zwischen Belichtung durch Tageslicht und Beleuchtung durch Kunstlicht.


Licht ist ein wichtiges Gestaltungselement, ohne das Architektur nicht möglich wäre. Wir benötigen Licht, um Architektur und Räume zu sehen, zu nutzen und um bestimmte Emotionen darin zu erzeugen.


Atmosphäre und Nutzungsmöglichkeiten gelingen daher erst durch die auf die Möblierung abgestimmte Lichtplanung und nicht allein durch die Einrichtung selbst. Mit Licht gestalte ich Raumwirkung. Nicht zuletzt brauche ich Licht, damit ich überhaupt Farben erkenne und damit Materialien und ihre unterschiedlichen Oberflächen visuell wirken können.


Gerade zu Hause wollen wir oft eine gemütliche Atmosphäre. Nicht zufällig nutzen Menschen dafür Kerzen und träumen von einem eigenen Kamin. Doch auch mit entsprechendem Kunstlicht lassen sich Räume behaglich und gemütlich gestalten.



Was sollte denn bei der Planung beachtet werden?


1) Tageslicht ist sehr wichtig für unseren Biorhythmus. Daher ist es gut, möglichst viel Tageslicht in unsere Räume zu lassen: raumhohe Fenster. Keine dichten Vorhänge, keine zu dunklen Wände oder Decken. Denn je dunkler die Oberflächen, desto weniger reflektieren sie Licht. Aber: alles eine Frage, was ich erreichen will.


2) Daher ist bei der Planung zu berücksichtigen, wie viel Tageslicht in die Räume kommt und wo Bereiche mit Kunstlicht unterstützt werden sollten. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen wie: Tageslichtverlauf und gewünschte Lichtintensität für bestimmte Raumbereiche und Funktionen. Beispiel: eine Küchenarbeitsleuchte hat eine andere Aufgabe als die Leuchte im Hauseingang oder über dem Esstisch.


3) Für größere Objekte und auch für gut geplante Wohnhäuser kommen spezielle Lichtplanungsprogramme zum Einsatz, die die spätere Beleuchtungssituation sehr gut simulieren können. Dabei können auch Lichtszenen programmiert und abgerufen werden, die je nach Tageszeit Atmosphäre und Biorhythmus unterstützen.


Was wird bei so einer Planung festgelegt?


Es werden die Grundbeleuchtung (indirektes Licht) und die Akzentbeleuchtung (direktes Licht) geplant, unter Berücksichtigung dessen, was man in den einzelnen Räumen und Raumbereichen machen möchte. Die Lichtquelle bekommt somit Aufgaben zugeteilt, die sie erfüllen sollte: Grundbeleuchtung, Arbeitsbeleuchtung, Akzentbeleuchtung, Lichtquelle als Objekt und Teil des Mobiliars.


Die Grundbeleuchtung dient dazu, einen Raum gut auszuleuchten (z. B. zum Putzen). Denn ohne Licht können wir den Raum nicht wahrnehmen. Licht bietet daher auch Sicherheit und Orientierung.


Die Akzentbeleuchtung rückt idealerweise verschiedene Einrichtungsgegenstände in den Vordergrund, wie zum Beispiel ein Bild oder ein Möbelstück. Sie schafft somit Fokuspunkte.


Zum Beispiel: Mehrere Leuchten im Wohnraum verteilt bilden Lichtinseln, die in der Summe für Atmosphäre sorgen. Dabei gestalten unterschiedliche Leuchtenhöhen (Sideboard, Stehleuchte, Pendelleuchte über einem Tisch) und die sich daraus ergebenden Schattenwürfe den Raum lebendig. Der Raum wirkt durch den Kontrast von Lichtinseln und Schatten einladend und emotional.


Ein Raum kann je nach Licht einen unterschiedlichen Raumeindruck haben, nur indem ich das Licht auf eine bestimmte Fläche lenke.



Es gibt viele verschiedene Lampen. Können Sie einige Beispiele nennen, welche Lampen sich wofür eignen?


Bei der Grundbeleuchtung gibt es zum Beispiel Einbaustrahler, Aufputzstrahler oder Schienensysteme. Sind diese schwenkbar, können sie auch zum Akzentlicht werden, da ich so gezielt ein Möbel oder Objekt anstrahlen kann. Die meisten Lichtquellen sollte man daher nicht zum Blickfang selbst machen, da vor allem bei der Grund- und Akzentbeleuchtung das Ziel die Gestaltung durch Licht ist. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Mit kontrastreichen Aufputzstrahlern, z. B. in Schwarz, kann ich sichtbar ein Möblierungskonzept unterstreichen.


Dann gibt es noch die Objektleuchten, wie zum Beispiel klassische Designerleuchten. Diese Leuchten werden auch als Objekt wahrgenommen und bringen einen ästhetischen, stilbildenden Aspekt in den Raum, – auch wenn sie ausgeschaltet ist.


Darunter fallen auch die Flaschenkürbislampen. Ausgeschaltet ist eine solche Leuchte selbst ein Objekt und eingeschaltet wird sie dann zum Lichtobjekt. Durch die Perforierung (durch die unzählig gebohrten Löcher) ist eine intensive Lichtstreuung gegeben und es entsteht schnell eine atmosphärische Gestaltung. Die Kalebassenlampen gestalten im ein- und ausgeschalteten Zustand den Raum.



Je nachdem wie die Perforierung gestaltet ist, kann sie gewisse Assoziationen wecken, was zum Verweilen und Entspannen einlädt. Die Gestaltungsbandbreite durch die Perforierung kann von sehr klaren Strukturen bis hin zu orientalischen Eindrücken reichen.

Reicht eine Akzentleuchte für einen Raum aus?


Nein, es sollten mindestens drei Leuchten im Raum verteilt sein. Ich erkläre das mal an einem Beispiel:


1) Stehleuchte für einen Leseplatz

2) Akzentlicht für ein Bild

3) Tischleuchte bei dem Sofa oder auf einem Sideboard


So entstehen drei unterschiedliche Zonen, denn der Raum wird dabei auch durch Licht gegliedert. Das sorgt für wahrnehmbare Raumtiefe und Behaglichkeit.



Was sollte bei einer Gestaltung mit Kalebassenlampen beachtet werden?



Kalebassenlampen eignen sich meiner Meinung nach besonders für Wandbereiche, die wenig oder gar nicht durch Bilder etc. bespielt sind. So kommen die Projektionen am besten zur Geltung. Die Leuchte macht dann an den Wänden mit den Lichtpunkten „Musik“. So wird Licht emotional und der Raum atmosphärisch.


Gute Einsatzmöglichkeiten für Kalebassenleuchten sind zum Beispiel Treppenaufgänge, Teile des Wohnbereichs, zum Beispiel Wohn- oder Esszimmer, sowie die typischen Ruhe- und Entspannungsbereiche, wie Badezimmer oder Sauna. Aber auch im Kinderzimmer sorgen sie dafür, dass Kinder abends leichter zur Ruhe kommen.


Hinzufügen möchte ich: je minimalistischer die Einrichtung, desto besser passt eine Kalebassenlampe.



Die Lampe eignet sich gut für Abendstimmung, da sie Ruhe und Entspannung fördert und dem Kerzenlicht sehr ähnlich ist. Sie unterstützt dann den Biorhythmus.



Die Lampen eignen sich auch sehr gut, um eine einladende und gemütliche Atmosphäre zu schaffen, wenn der Raum selbst nicht zu voll mit Dingen ist, die „gegen dieses poetische, ruhige Licht“ arbeiten.

Durch die Lichteffekte wird schließlich Entschleunigung angeregt. Betrachterinnen und Betrachter


kommen schneller zur Ruhe und lassen eher ihre Gedanken schweifen.






Autortenprofil von Martina Velmeden:


Frau Velmeden hat ein Atelier für Innenarchitektur bei Heidelberg und entwickelt seit über über 20 Jahren Einrichtungskonzepte für Wohnungen und Einfamilienhäuser. Für sie beginnen gute Räume bei den Wohnbedürfnisse Ihrer Kunden und nicht bei Instagram oder Pinterest.

Weitere Infos:

www.martina-velmeden.de


17 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen